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www.radical-coffee.de

Es ist sicherlich aufgefallen, dass der Abstand zwischen meinen Beiträgen im Blog aktuell etwas länger ist. Das hat nicht nur den Grund, dass die Arbeit an einem Artikel zeitaufwändig ist. Momentan gilt es, ein neues Projekt an den Start zu bringen.

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Unter www.radical-coffee.de findet Ihr einen neuen Blog, der diesen hier ergänzen wird. Wie Ihr dort sehen werdet, haben sich Tom Schweiger (www.greenandbean.de), Tom Schießl (www.freelance-barista.com) und ich uns zusammen getan, um Themen rund um die deutschsprachige Kaffeeszene zu diskutieren, unsere Meinung mitzuteilen und in einen offenen Dialog zu treten. Der Fokus des Blogs liegt auf der Besprechung aktueller Themen und einer offenen Diskussion darüber. Wir hoffen auf eine rege Beteiligung. Zusätzlich zu dem Radical Coffee Blog gibt es drei Mikroblogs bei Twitter, die direkt in die Radical Coffee Seite eingebunden sind.

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Ergänzt wird der Blog durch einen deutschsprachigen Kaffee und Espresso Podcast. Noch ist keine erste Episode zu finden (außer Tonschnipseln, die zu Testzwecken hochgeladen wurden und eventuell abrufbar sind), Gerüchten ist allerdings zu entnehmen, dass sich dies zum Zeitpunkt der Coffeena ändern wird. Ihr findet alle Informationen hierzu ebenfalls unter www.radical-coffee.de.

Wolfredo.de wird wie bisher weiterleben, in gewohntem Umfang und mit regelmäßig erscheinenden Artikeln, die Themen tiefergehend behandeln.

Ich wurde für meinen Blog für eine Auszeichnung der SCAE nominiert, dem “Passionate Communicator Award“. Interessant dürfte sein, nach welchen Kriterien letztlich entschieden wird, wer diese Auszeichnung erhält. PetitBistro von Aral steht auch auf dieser Liste, vom Grundkonzept völlig anders als die Ausrichtung von Wolfredo.de, lassen wir uns überraschen.

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 In jedem Fall danke ich der oder den Personen, die mich nominiert haben. Ich hoffe wir sehen uns auf der Coffeena in Köln (siehe unten) und können etwas reden.

Damit die Sache noch etwas spannender wird noch ein Aufruf.

Jedes SCAE-Mitglied kann für einen “Award for Coffee Excellence” nominiert werden. Es gibt fünf Kategorien, in denen man Personen nominieren kann.

  • Young Entrepreneur - Die Person hinter einer erfolgreichen Neugründung eines Unternehmens.
  • Hidden Treasure - Eine Person, die viel im Hintergrund agiert, aber wichtige Dinge bewegt.
  • Lifetime Achievement - Eine Auszeichnung für das Lebenswerk.
  • The Passionate Communicator - Diesen Punkt hatten wir schon.
  • The Outstanding Producer - Jemand, der etwas Bedeutendes im Bereich Anbau, Ernte oder Verarbeitung geleistet hat.

Nein, ich will mich nicht selbst kanibalisieren, möchte aber dennoch aufrufen, weitere Nominierungen einzureichen. Die Liste der bisher nominierten ist noch recht überschaubar. Die Nominierung erfolgt per Mail an collin@smiths-coffee.demon.co.uk, mehr Informationen hierzu sind auf der Webseite zu finden.

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Im Zeitraum von 26.06. bis zum 28.06. findet in Köln die Coffeena statt, eine Messe auf der aus allen Bereichen der Kaffeebranche Aussteller zu finden sein werden. Parallel zur Messe findet die “SCAE Wonderfull Coffee Cologne” statt. Ausführliche Informationen sind hier zu finden. Besonders interessant sind die Weltmeisterschaften in den folgenden Bereichen, die in dieser Zeit abgehalten werden.

  • World Cup Tasters Championship
  • World Latte Art Championship
  • World Coffee-in-Good Spirits Championship
  • Ibrik/Ceve Coffee Brewing World Championship

Ich werde alle drei Tage vor Ort sein und durch die Halle streifen. Ich hoffe, dass wir uns dort treffen.

Das Thema Wasser und dessen Zusammensetzung wird bei der Zubereitung von Kaffee und Espresso thematisch häufig vernachlässigt. In der Gastronomie gilt die Beschäftigung mit diesem Thema mehr der Erhaltung der Betriebsbereitschaft der Espressomaschine als einer gesteigerten Qualität des Endprodukts. Ein falsch eingestellter Filter hat allerdings einen großen Einfluss auf die Qualität des Espressos und manchmal muss man einen Kompromiss zwischen technischen und geschmacklichen Anforderungen eingehen.

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Richtiges Wasser ist eine entscheidende Voraussetzung für eine gute Tasse Espresso, doch was ist “richtiges” Wasser?

Das Leitungswasser in Deutschland kommt dem angestrebten Ziel bereits sehr nah. Grundsätzlich kann man davon ausgehen, dass dieses Wasser keimfrei und frei von sonstigen Verunreinigungen ist, bedingt durch die sehr strengen Anforderungen, die in der Trinkwasserverordnung vorgegeben werden. Beachten sollte man, dass sich diese Richtlinien auf das im Wasserkreislauf des Wasserversorgers befindliche Wasser beziehen. Das Wasser erfüllt die Anforderungen bis zu der Stelle, an der es in die Wasserversorgung eines Hauses übergeben wird. Je nach Wegstrecke von diesem Übergabepunkt zur eigenen Entnahmestelle im Haus kann das Wasser deutlich an Qualität verlieren, in Abhängigkeit vom Zustand der Wasserleitung. Grundsätzlich sollte man abgestandenes Wasser ablaufen lassen, um so direkt an das Frischwasser zu gelangen. Im 15. Stockwerk eines Hochhauses dürfte dies allerdings schwierig werden.

Die Trinkwasserverordnung gibt vor, welche Inhaltsstoffe in welchem Umfang im Leitungswasser zulässig sind. Die Trinkwasserverordnung ist wesentlich restriktiver als die Mineral- und Tafelwasserverordnung, über die die zulässigen Inhaltsstoffe für die im Getränkemarkt erhältlichen Wasser geregelt werden. Leitungswasser ist daher grundsätzlich für die Zubereitung von Babynahrung geeignet, Tafel- und Mineralwasser sind dies nicht. Daran ist erkennbar, dass deutsches Leitungswasser bereits sehr hochwertig ist und eine gute Grundlage für die Zubereitung von Kaffee und Espresso liefert.

Welche Eigenschaften des Wassers interessieren uns für die Zubereitung?

Aus technischer Sicht sollen die im Wasser gelösten Bestandteile (Total Dissolved Solids, TDS - gemessen in parts per million, ppm) möglichst gering sein, damit sich in der Espressomaschine keine Ablagerungen bilden. Durch die Erzeugung von Dampf im Kessel verstärkt sich die Konzentration der gelösten Bestandteile im Kesselwasser, da bei jedem Dampfbezug ein Teil Wasser, nicht aber die darin gelösten Bestandteile, abgelassen werden. Je stärker die “Grundbelastung” des Wassers ist, desto schneller tritt dieser Effekt ein, gänzlich ausschließen kann man ihn nicht.

Ein optimaler TDS-Wert liegt aus technischen Gesichtspunkten möglichst niedrig (0 ppm, z.B. destilliertes Wasser). Man sollte jedoch beachten, dass die Messsonden, mit denen der Füllstand des Wassers im Tank gemessen wird, über elektrischen Strom und die Leitfähigkeit des Wassers funktionieren. Je geringer der TDS-Wert ist, desto geringer ist die Leitfähigkeit des Wassers für Strom. Wird ein bestimmter Wert unterschritten, wird eine Messung daher nicht mehr funktionieren, dies ist abhängig von der jeweiligen Messmethode der Maschine selbst.

Aus geschmacklicher Sicht soll das Wasser ein optimaler Träger für die aus dem Kaffee zu lösenden Substanzen sein. Zudem soll das Wasser eine Grundmineralisierung mitbringen, da ein gänzlich salzfreies Wasser langweilig schmeckt und erst die Kombination von süß, sauer, salzig und den Aromen des Kaffees das gewünschte Gesamtprofil entstehen lässt. Aus Geschmackssicht ist der pH-Wert, der den Säuregrad des Wassers beschreibt, wichtig. Gesucht wird ein möglichst neutraler pH-Wert.

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Dass ein Wasserfilter eingesetzt werden muss, ist in den meisten Fällen keine Frage. Die Frage, die sich stellt, ist: wie soll der Filter eingestellt werden? Hochwertige Filter erlauben es, den Grad der Filterung zu bestimmen. Eingestellt wird das Mischungsverhältnis zwischen gefiltertem und ungefiltertem Wasser. Die anzustrebenden Idealwerte aus geschmacklicher Sicht sind:

  • TDS 100 ppm
  • pH-Wert 7 (neutral)

Beim TDS-Wert kann man sich grundsätzlich im Bereich zwischen 0 ppm und 200 ppm bewegen. Geschmacklich liegt der Richtwert bei 100 ppm bis 120 ppm, da die meisten Kaffees ihr Potential bei dieser Konzentration am besten entfalten. Der pH-Wert von 7 beschreibt neutrales Wasser, das weder sauer noch basisch ist. Je geringer der pH-Wert, desto saurer ist das Wasser, je höher der ph-Wert, desto basischer ist es. Ein pH-Wert zwischen 6 und 8 liefert die geschmacklich besten Ergebnisse.

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Die Schwierigkeit liegt darin, das Mischungsverhältnis des Leitungswassers mit dem gefilterten Wasser so einzustellen, dass sowohl der TDS- als auch der pH-Wert in den angestrebten Bereichen liegen. Je nach Region in Deutschland kann dies mehr oder weniger schwierig werden, da das Leitungswasser andere Grundwerte hat. In Frankfurt liegt der TDS-Wert des Leitungswassers um die 200 ppm, bei einem pH-Wert von 7,7 (siehe Bilder unten). Eine durch Filtration erzielte Verringerung des TDS-Werts führt automatisch zu einer Verringerung des pH-Werts, das Wasser wird sauer. Eine maximale Filterung ist daher aus technischer Sicht zielführend, führt aber zu einem sehr sauren Wasser und damit zu einem sauren Espresso.

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Bei der Filterung ist es notwendig, den Verschnitt zwischen ungefiltertem und gefiltertem Wasser so einzustellen, dass man den TDS-Wert an 100 ppm annähert und gleichzeitig einen neutralen pH-Wert zu erreichen versucht. Wie bereits erwähnt, widersprechen sich beide Anforderungen, was die Einstellung mitunter schwierig macht.

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Wichtig bei der Einstellung ist, eine Balance zwischen den Parametern zu finden. Bei mehreren Einstellmöglichkeiten (TDS niedriger, höherer pH-Wert oder TDS höher, bei niedrigerem pH-Wert) sollte man nach einem Espresso-Geschmackstest entscheiden, welche Einstellung besser ist.

Wer das erste mal an einer Baristameisterschaft teilnimmt fragt sich oft, wie der geforderte Signaturedrink entstehen soll. Ein Signaturedrink ist ein Getränk auf Espressobasis, das mindestens einen Espresso enthalten muss und keinen Alkohol enthalten darf. Darüber hinaus ist die einzige weitere Anforderung die, dass es sich um ein Getränk handeln und dieses trinkbar sein muss. Die oft gesehenen Dessertvariationen, auch wenn diese geschmacklich teilweise sehr ansprechend sind, gehen daher am Thema vorbei und erhalten entsprechend wenig Punkte.

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Ein Signaturedrink soll zeigen, dass man sich mit der Materie Kaffee auseinander gesetzt hat und versteht, wie Aromen kombiniert werden können und wie mit der Wahrnehmung gespielt werden kann. Ein Signaturedrink wird nach verschiedenen Gesichtspunkten bewertet.

  • Kreativität
  • Aromen und Geschmack

Mit Kreativität wird die Komplexität der Herstellung und der Ideenreichtum bewertet, viel “Peng” ergibt eine hohe Punktzahl. Kreativ bedeutet, dass man mehr tut, als vorgefertigte Sirupe mit Espresso zu vermischen und mit einer überdominanten Süße alle Wahrnehmung zu überdecken. Kreativ bedeutet, neue Ideen zu entwickeln, die Repräsentation des Getränks geschickt aufzubauen und Zutaten zu kombinieren, die man nicht erwarten würde und deren Kombination eventuell sogar schwierig ist. Leider liegt der Fokus vieler Teilnehmer bei vielen Signaturedrinks überwiegend auf der Kreativität und der wesentlich wichtigere Faktor wird vernachlässigt: Aroma und Geschmack. Aromen und Geschmack werden wesentlich höher bewertet als die Kreativität. Es ist wichtiger, wie das Ergebnis schmeckt und man sollte sich fragen, ob man das Getränk selbst regelmäßig und gerne trinken würde. Im Zweifel ist ein einfaches und geschmacklich ansprechendes Getränk immer die bessere Wahl.

Woran soll man sich bei der Entwicklung eines Signaturedrinks orientieren?

In erster Linie muss es schmecken (Geschmack und Aroma). Grundsätzlich gilt also zu prüfen, ob Aromen und Geschmacksrichtungen im Getränk mit dem verwendeten Espresso harmonieren und zu einer Steigerung führen, ob sich die Zutaten untereinander nur “tollerieren” und ein akzeptables Getränk ergeben oder ob eine bestimmte Kombination in grausigen Ergebnissen endet. Wenn man seine Eigenkreation trinkt und sich fragen muss, ob das schmeckt, hat man bereits die Antwort: es schmeckt nicht! Im Restaurant sitzt man auch nicht vor Gericht und überlegt, ob das Essen, das man gerade zu sich nimmt, schmeckt. Entweder es überzeugt unmittelbar oder eben nicht.

Ein sehr entscheidender Faktor, neben den verwendeten Geschmacksnuancen und dem Aromaspiel, ist die Wahrnehmungskurve. Mit der Wahrnehmungskurve bezeichne ich, was man zu welchem Zeitpunkt mit welcher Intensivität wahrnimmt. Jedes Lebensmittel, das auf einer Kombination verschiedener Grundzutaten basiert, hat eine mehr oder weniger ausgeprägte Wahrnehmungskurve, bei der die einzelnen Bestandteile nacheinander und in unterschiedlicher Form ihre Eigenschaften zeigen.

  • Struktur - Unter Struktur versteht man die Größe und die Festigkeit der wahrnehmbaren Elemente eines Getränks. Die Struktur entscheidet darüber, wie lange ein Bestandteil präsent ist, wie schnell und über welchen Zeitraum dieser wahrgenommen wird. Struktur kann bedeuten, dass man feste, zum Beispiel gefrorene, Anteile nutzt aber auch, dass man mit dem Körper und der Viskosität der Zutaten arbeitet.
  • Aromen - Aromen, kombiniert mit dem Geschmack, sind die Grundbausteine, mit denen man arbeitet. Aromen sollten harmonieren und sich gegenseitig unterstützen. Schokoladenoten im Espresso kann man durch den gezielten und wohldosierten Einsatz von Schokolade betonen. Die Aromen eines Signaturedrinks sollten ein reiches Bouquet ergeben, das einige Hauptmerkmale zeigt, die von zahlreichen weniger dominanten Bestandteilen gestützt und ergänzt werden. Bei Aromen ist zudem zu beachten, dass diese sich in unterschiedlichen Flüssigkeiten unterschiedlich verhalten. Manche Aromen sind nur in Öl löslich, andere in Wasser und manche sowohl in Wasser und Öl. Alkohol lasse ich als Lösungsmittel aus, da dieser in einem Signaturedrink nicht erlaubt ist (Regelwerk der Baristameisterschaften).
  • Geschmack - Der Geschmack (süß, sauer, salzig, bitter und umami) bildet mit den Aromen ein Wechselspiel und ist oft entscheidend, ob ein Aroma positiv oder negativ wahrgenommen wird. Ein grüner Granny Smith Apfel, der eine gute Reife besitzt, basiert auf zahlreichen Aromen und einem Spiel aus Süße und sauren Anteilen. Fehlt die Süße, nimmt man den Apfel als unangenehm wahr. Eine leichte Süße macht hingegen die Fruchtsäuren interessant und führt zu einer lebendigen Wahrnehmung.
  • Temperatur - Über die Temperatur kann man die Wahrnehmung einzelner Aromen und Geschmacksrichtungen hervorheben oder dämpfen. Hier hilft es, viel zu experimentieren um eine Gefühl dafür zu bekommen, wie einzelne Zutaten sich verändern. Hilfreich ist zudem, das Getränk in kleinere Bestandteile zu zerlegen und diese zunächst einzeln zu betrachten.

Alle zuvor genannten Eigenschaften stehen in Wechselwirkung zueinander und beeinflussen stark, wie man ein Lebensmittel oder in diesem Fall einen Bestandteil eines Signaturedrinks, wahrnimmt. Die Fruchtigkeit eines normal temperierten Getränks verstärkt sich, wenn diese abkühlt. Die Süße ist bei mittleren Temperaturen am stärksten, Kühle und Hitze dämpfen die Wahrnehmung, Schärfe und andere Dinge verändern ihren Charakter zusätzlich und ergeben zahlreiche unterschiedliche Eindrücke. Daraus lässt sich eine Grundregel für einen Signaturedrink ableiten: die Trinktemperatur ist wichtig. Jedes Getränk hat eine optimale Trinktemperatur, bei der die gewünschten Eigenschaften erkennbar sind, diese muss man treffen. Zudem sollte das Getränk Potential bei der Abkühlung aufweisen, damit es nicht direkt in unangenehme Regionen abdriftet, sobald es einen Moment steht. Genau aus diesem Grund soll man bei der Präsentation seines Signaturedrinks bei der Deutschen Baristameisterschaft sagen, welche Temperatur das Getränk haben wird.

Die oben aufgeführten Parameter erlauben zahlreiche Experimente und Möglichkeiten, hierzu ein Beispiel. Frische Vanille wird von ihrem Mark getrennt, kleingeschnitten und in lauwarmer Sahne über mehrere Stunden ziehen lassen. Durch abgießen der Sahne durch ein Sieb wird nun die Vanille abgertrennt, die Sahne danach leicht gesüßt und mit 1/4 eiskalter Milch aufgegossen (relativ zur Sahnemenge). Das Sahne/Milch-Gemisch nun in einen isi Gourmetwhip geben, mit zwei CO2-Patronen aufschäumen und gut durchschütteln. Dieses Gemisch nun in eine Schüssel sprühen und etwas Chiliflocken unterrühren. Den fertigen Schaum nun mit einem kleinen Löffel probieren und beobachten, was man wahrnimmt. Bevor man Chili wahrnimmt, wird man zunächst die fetteren Bestandteile der Sahne und die darin gebundenen Aromen (Vanille) wahrnehmen, gepaart mit einer vorhandenen Süße und gefolgt von der Schärfe und den Aromen der Chili. Hier wird erkennbar, das die Wahrnehmung nicht zu einem Zeitpunkt geschieht, sondern verteilt über einen Zeitraum. Das Zusammenspiel dieser Schritte ist daher genauso wichtig, wie die Wahl der Aromen und Geschmacksrichtungen selbst. Oft entscheidet das Zusammenspiel, ob eine Kombination als gelungen wahrgenommen wird.

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Ein letzter Tipp zum Schluss: alle Dinge, die man während der Kreation eines Signaturedrinks tut, muss man akribisch dokumentieren. Dazu gehört neben einer genauen Beschreibung der Zutaten, damit man exakt diese Zutaten in der gewünschten Qualität nochmals einkaufen kann, auch die Dokumentation von Temperaturen, Gewicht und Zeit. Eine Temperaturmessgerät, eine Feinwaage und eine Stoppuhr gehören daher zur Grundausstattung. Reproduzierbarkeit und Kontinuität sind wichtig, damit man sich bei der Präsentation eines Signaturedrinks darauf verlassen kann, dass dieser auch gelingt.

Es gibt zahlreiche Pitcher, mit denen man Milch aufschäumen kann. Doch macht es einen Unterschied, welchen man von diesen nutzt? Liefert ein Pitcher bessere Ergebnisse als ein anderer?

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Worin unterscheiden sich Pitcher?

  • Volumen - Die Menge an Milch, die in den Pitcher passt. Pitcher unterscheiden sich, obwohl diese auf den ersten Blick eine ähnliche Größe besitzen. Jeder Pitcher hat eine optimale Füllhöhe, die man nutzen muss, um ein gutes Schäumergebnis zu erhalten. Liegt die Füllhöhe unter dieser optimalen Menge, verwirbelt die Milch nicht richtig, es bilden sich grobe Blasen, da man mit der Dampflanze nicht weit genug in die Milch eintauchen kann und die Milch überhitzt schneller. Eine Überfüllung führt zu dünnem Schaum, da man die Milch nicht ausreichend “ziehen” kann und die Volumenbildung begrenzt ist. Zudem schwappt die Milch schnell aus dem Pitcher.
  • Material - Pitcher unterscheiden sich sowohl in ihrem Gewicht (Masse) als auch in der Wahl des Materials. Ein massiver Pitcher erlaubt es, wenn dieser entsprechend vorgekühlt ist, die Ziehphase etwas zu verlängern. Das Metall nimmt mehr Hitze auf und die Milch erhitzt langsamer. Ein Nachteil bei dickwandigen Pitchern ist die verspätete Wahrnehmung der tatsächlichen Temperatur. Je dünner das Material, desto unmittelbarer kann man die tatsächliche Temperatur erfühlen und den Schäumvorgang steuern.
  • Form - Die Form des Pitchers beeinflusst, wie sich die Milch verwirbelt. Einige Pitcher erfordern, durch ihre nach oben sehr viel schlanker werdende Form, eine andere Aufschäumtechnik.

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Der direkte Vergleich der Pitcher zeigt, dass mit allen ähnliche Ergebnisse erzielt werden können, allerdings gibt es Unterschiede in der “Bedienung”.  Abhängig vom Material ist die Temperatur der Milch beim Schäumen direkt oder erst leicht verzögert spürbar, entsprechend muss man zu unterschiedlichen Zeitpunkten reagieren. Die Milch wirbelt unterschiedlich in den einzelnen Pitchern, abhängig von deren jeweiliger Form. Dies bringt keine Vor- oder Nachteile, lediglich die Dampflanze muss anders positioniert werden. Die Füllhöhen mit kalter Milch sind unterschiedlich und auch die Höhe, bis zu der man die Milch “ziehen” muss, um eine gute Milchcreme zu erhalten.

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Fazit ist, man muss sich an jeden Pitcher gewöhnen und ein Umstieg auf ein anderes Model erfordert zunächst etwas Übung, liefert dann aber ein vergleichbares Ergebnis. Für Latte-Art sollte man in jedem Fall einen Pitcher mit einem spitz zulaufendem Auslauf wählen, der in der Mitte der Kanne angesetzt ist, da man so genau steuern kann, wo und wieviel Milch ausgegossen wird.

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Wichtiger als die Form des Pitchers ist es, dessen Größe passend zur Dampfleistung der Espressomaschine auszusuchen. Wenn die Dampfleistung zu gering ist und die Milch nicht vollständig im Pitcher verwirbelt, erhält man einen sehr dünnen Schaum. Ist die Dampfleistung zu hoch, wird die Milch aus dem Pitcher gedrückt und läuft über.

Nachdem mich einige Leser darauf hingewiesen haben, dass die Registrierung nicht richtig funktionierte, habe ich das Problem nun behoben. Wer Interesse hat, Beiträge zu kommentieren, kann sich absofort registrieren.

Wie funktioniert die Registrierung?

Wenn man einen Beitrag kommentieren möchte, aber noch nicht angemeldet ist, erscheint folgende Anzeige. Dort muss auf “logged in” geklickt werden, um zur Anmeldung und Registrierung zu gelangen.

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Auf der Folgeseite kann man sich nun entweder anmelden - wenn man bereits einen Zugang besitzt - oder neu registrieren. Wenn man sich registrieren möchte, muss man auf “Register” klicken.

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Auf der Seite für die Registrierung trägt man nun den gewünschten Benutzernamen und eine gültige Emailadresse ein. An diese Emailadresse wird dann ein Passwort verschickt. Mit Benutzername und Passwort kann man sich nun anmelden und Kommentare hinterlassen.

Ein gesamtes Wochenende mit der Verkostung einiger der besten Kaffees des 2008er Cup of Excellence Programms zu verbringen ist eine schöne Sache. Noch mehr Spass macht es allerdings, wenn man sich über die Eindrücke austauschen kann. Das letzte Wochenende haben sich Tom, Nathalie und ich bei Thomas in Ansbach getroffen und insgesamt 28 Kaffees aus Bolivien, Ruanda, Brasilien und Kolumbien verkostet.

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Was sollte man bei einer Verkostung beachten?

Grundsätzlich ist es sinnvoll, einen fairen Vergleich zwischen den einzelnen Kaffees zu ermöglichen. Einen Kaffeeröstung mit einer Espressoröstung zu vergleichen macht wenig Sinn, da die Unterschiede vorhersehbar sind. Für unsere Verkostung habe ich alle Kaffees nach einem gleichen Röstprofil geröstet, in einen leichten und für Kaffee geeigneten Röstgrad. Da nicht jeder die Möglichkeit hat, seine Kaffee selbst zu rösten, sollte man bei der Auswahl der zu vergleichenden Sorten sorgfältig sein.

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Ein weiterer Punkt ist ein standardisiertes Bewertungsverfahren und eine Kalibrierung aller Verkoster.

Ich verkoste grundsätzlich nach dem Cuppingbogen der Cup of Excellence, der Wolfredo-Verkostungsbogen ist daran angelehnt. Ein Vorteil dieser Bewertungsmethode ist die gestaffelte Punktevergabe von 0, 4, 6, 7 oder 8 Punkten. Zwischen schlecht (0), mittel (4) und gut (6) ist eine Unterscheidung relativ einfach. Eine Unterscheidung zwischen gut, sehr gut und herausragend ist sehr viel schwieriger. Aus diesem Grund ist die Gewichtung im oberen Bereich bei der Cup of Excellence Bewertung etwas flacher ausgelegt, dies führt zu einem repräsentativerem Ergebnis. In manchen Fällen ist es sinnvoll, die Bewertung um einen halben Punkt zu erhöhen (4,5 und 6,5), allerdings sollten keine kompletten Zwischenschritte (1, 2, 3 und 5) vergeben werden.

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Die Kalibrierung ist besonders dann wichtig, wenn man noch nicht so viel Erfahrung bei der Verkostung von Kaffee hat. Bei der Kalibrierung verkostet man zunächst einen einzelnen Kaffee, bewertet diesen und bespricht sich dann mit den anderen Verkostern. Gibt es starke Abweichungen in der Bewertung, sollte man diese diskutieren und sich auf eine einheitliche Bewertung einigen. Bei allen weiteren Kaffees sind die Ergebnisse dadurch vergleichbarer. Wie versiert jeder Teilnehmer ist, ist ebenfalls bei der Kalibrierung zu berücksichtigen.

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Während einer Verkostungsrunde sollte man die Eindrücke aufschreiben, aber noch nicht den anderen Teilnehmern mitteilen. Sobald man seine Eindrücke mitteilt, werden die anderen Teilnehmer beeinflusst. Nachträglich kann man alle Dinge austauschen, nachverkosten und diskutieren. Ebenfalls interessant ist es, den Charakter eines Kaffees über die Abkühlphase zu beobachten. Wie schmeckt der Kaffee heiß, wie warm, wie lauwarm und wie, wenn er fast kühl ist? Manche Kaffees sind über nahezu alle Temperaturphasen interessant, einige werden bei gewissen Temperaturen unangenehm. Auch diese Eigenschaften notiert man sich.

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Eine Verkostung ist eine gute Möglichkeit, sich mit den Charaktermerkmalen verschiedenster Kaffees vertraut zu machen. Wie unterscheiden sich unterschiedliche Qualitäten von Kaffees aus einem Land oder aus einer Region eines Landes? Wie unterscheiden sich Kaffees unterschiedlicher Länder zueinander? Im direkten Vergleich stellt sich so schnell ein Aha-Erlebnis ein, Fruchtigkeit trifft auf erdige und schokoladige Noten, diese wiederum auf eher kräuterartige oder stark würzige Noten. In den unterschiedlichen Kaffees aus Bolivien, Ruanda, Brasilien und Kolumbien haben wir unter anderem Zitrone/Limette, florale und blumige Aromen, Malz, Schokolade, Nuss, Zeder und orientalische Gewürze gefunden. Den meisten Kaffeetrinkern ist leider nicht bewusst, wie vielseitig Kaffee sein kann. Wer die Möglichkeit hat, sollte einmal ein geführtes Cupping besuchen.

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In insgesamt acht Verkostungsrunden haben wir je Land unsere Favoriten ermittelt und diese zueinander in eine Reihenfolge gebracht. Die Favoriten der einzelnen Länder haben wir anschließend in einen direkten Vergleich gesetzt. Offensichtlich ist, dass alle Kaffees eines Landes gewisse Merkmale aufweisen, die in jedem der Kaffees des Landes mehr oder weniger ausgeprägt zu finden sind. Gesucht haben wir daher nach Kaffees, die mit besonderen Noten aus diesem allgemeinen Charakterbild ausbrechen. Grundsätzlich gilt bei allen Cup of Excellence Kaffees, das diese hochwertig und frei von Fehlaromen und Defekten sind.

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Interessant war, dass wir untereinander eine nahezu einheitliche Meinung über die Kaffees hatten, unsere Rangfolge aber nicht immer der der Cup of Excellence entsprochen hat. Die einzige Ausnahme ist der erste Platz aus Brasilien (Lot #1 - Ralph de Castro Junqueira - Faz Kaquend). Dieser Kaffee sticht alle anderen Kaffees aus Brasilien deutlich aus. Auf Platz 2 haben wir Lot #2 (Homero Teixeira de Macedo Júnior - Recreio) gewählt. Aus Bolivien haben uns Lot #2 (Pedro Castro Conurana - Flor de Mayo) und Lot #7 (Aurelio Mamani Ramirez - Café Aurelio) am besten gefallen, aus Ruanda Lot #2 (Nsengumuremyi Jean - Fakco-Rulindo) und Lot #5 (Hagumagutuma - SDL Muyongwe) und aus Kolumbien Lot #1 (Eduardo Valencia - Villa Loyola) und Lot #5 (Lisandro Quilcue - Guayabal). Leider ist keiner dieser Kaffees ist im deutschsprachigen Raum erhältlich.

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Espressobars in Berlin

Dieser Artikel ist schon eine Weile überfällig, seit Beginn des Jahres um genau zu sein. Durch die zahlreichen Ereignisse hat sich dieses Thema leider immer wieder verzögert. Zwischen den Jahren habe ich einige Zeit in Berlin verbracht und diese genutzt, gemeinsam mit Tom Schießl, Natalie und PJ die Kaffeeszene in und um Berlin zu erkunden.

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Kaffeehaus Morgenrot

Über das Internet bin ich auf das Kaffeehaus Morgenrot gestoßen, dieses liegt außerhalb von Berlin, in Hohen Neuendorf. Das Kaffeehaus Morgenrot ist keine klassische Espressobar, sondern ein wirklich gelungenes Kaffeehaus nach Wiener Vorbild. Entsprechend ist die Auswahl der Kaffees gestaltet. Ruhe und Zeit zur Entspannung kann man hier reichlich finden.

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Wer etwas Zeit mitbringt und Lust hat, mehr als nur eine der Kreation auf der Karte zu probieren, ist hier gut aufgehoben. Auch das Frühstück ist sehr gut, zudem bietet die vorhandene Bibliothek zahlreiche interessante Bücher für die Kurzweil. Insgesamt ein gelungenes Konzept, leider etwas außerhalb von Berlin.

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Im Godshot in Berlin steht Kai-Uwe hinter Bar und vermittelt direkt nach Betreten des Ladens das Gefühl, willkommen zu sein. Wir haben einige Espressos durchprobiert, Zubereitung und Maschinen diskutiert und uns sehr angeregt unterhalten.

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Wenn nicht diese Kuckucksuhr an der Wand hängen würde, wäre der Laden richtig gut (Scherz). Godshot ist definitiv einen Abstecher wert.

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Bonanza Coffee Heroes

Die meiste Zeit haben wir bei Alexey und Kiduk - den “Bonanza Coffee Heroes” - verbracht und mit einigen Cup of Excellence Kaffees aus Ruanda und Bolivien gespielt, die ich extra für ihren Clover geröstet hatte.

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Der Laden ist recht klein, hat aber einen ganz besonderen Charme. In einer Ecke stand ein kleiner Probatröster (inzwischen dürfte dieser gegen einen großen Bruder ausgetauscht worden sein), auf dem Tresen “protzt” eine Synesso und ein Clover. Das das Thema Kaffee hier ernst genommen wird, spürt man deutlich.

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Was mir besonders gefällt, ist, dass bei den Bonanza Coffee Heroes der Fokus auf der Qualität des Kaffees liegt. Das Geld wurde in hochwertiges Equipment investiert, ganz anders als in Frankfurt, wo man das Geld zunächst in Retortenarchitektur vom Innenarchitekten investiert und der Gast dafür außerkörperliche Erfahrungen beim Kaffee verkraften muss.

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Nachdem sich die zahlreichen Eindrücke der Deutschen Kaffeeolympiade 2009 langsam gesetzt haben, möchte ich meine Sicht auf die Ereignisse festhalten. Die Ergebnisse der Meisterschaft habe ich bereits in meinem vorherigen Posting aufgeführt, diese können zudem direkt von der Webseite der Meisterschaft unter folgenden Links abgerufen werden.

Wer nicht die Möglichkeit hatte, vor Ort bei der Meisterschaft zu sein, kann einen kurzen Einblick über eine TV-Reportage der Deutschen Welle erhalten.

Als ich letztes Jahres in die Jury für die Baristameisterschaft “berufen” wurde, war ich mir zunächst nicht sicher, ob ich diese Einladung annehmen sollte. Ich hatte bereits mit den Vorbereitungen für meine eigene Teilnahme an der Meisterschaft begonnen, Kaffees selektiert und Ideen für einen Signaturedrink entwickelt. Die Möglichkeit, sich intensiv auszutauschen und zahlreiche Kaffeeinterpretationen zu sehen, haben mich dann allerdings überzeugt, mich dieses Jahr als Sensorikjuror zu verdingen. Eine sehr gute Entscheidung, wie sich gezeigt hat.

Interessant ist, wie sich durch einen Wechsel der Perspektive die Wahrnehmung der Meisterschaft verändert. Als Zuschauer und Teilnehmer bewertet man die Präsentationen der einzelnen Wettbewerber ausschließlich nach deren Unterhaltungswert. Eine gute Präsenz auf der Bühne führt somit meistens zu der Einschätzung, dass ein Teilnehmer eine gute Platzierung erzielen müsste. Dieser Eindruck entspricht in vielen Fällen nicht der letztendlichen Platzierung des Teilnehmers, obwohl er der offensichtliche Sympathieträger ist. Als Juror erhält man ein Gesamtbild jedes Teilnehmers, das der Zuschauer (leider) nicht erhalten kann. In der Bewertung schlagen sich die sensorischen Eigenschaften der Getränke (Aussehen, Aromen, Geschmack, Viskosität) wesentlich stärker nieder als andere Faktoren. Wurde ein Getränk besonders gut erläutert, sind beispielsweise sechs Punkte möglich, bei den sensorischen Eigenschaften jedoch bis zu 48 Punkte. Ein ruhiger Teilnehmer, der einen ausgezeichneten Espresso bereitet erreicht so schnell mehr Punkte als der Teilnehmer, der eine gute Show liefert, leider aber nur einen mittelmäßigem Espresso serviert. In der Summe, unter Berücksichtigung der Einzelbewertungen für Espresso, Cappuccino und Signaturedrink, können hierdurch recht starke Unterschiede in der Bewertung der Teilnehmer zueinander entstehen. 

Ein weiterer Punkt - den man als Teilnehmer kaum wahrnimmt - ist der immense Aufwand, der hinter den Kulissen getrieben wird, um eine solche Meisterschaft zu realisieren. Man ist mit den Vorbereitungen für den eigenen Auftritt beschäftigt, es gibt viele kleine Dinge zu organisieren und man steht unter Stress. Aus dieser Sicht kann es nerven, wenn die Abläufe nicht so reibungslos sind und beispielsweise die Übungsmaschine noch durch einen anderen Teilnehmer belegt ist. Was man als Teilnehmer allerdings kaum wahrnimmt, ist die große Flut an Anfragen, die von Wettbewerbern, Zuschauern, den Medien und anderen Personen an die Organisatoren während der Meisterschaft gestellt werden und die zahlreichen sonstigen organisatorischen Dinge, die zu bewältigen sind. Diese Jahr stand ich auf der “anderen Seite” und hatte somit einen sehr guten Einblick in die umfangreiche Arbeit, die in die Meisterschaft investiert wurde. Beachtet man, dass dies alles durch ehrenamtliche Hilfe realisiert wird, ist es umso beachtlicher, wie sehr alle Beteiligten sich einbringen. Großer Dank, dieses Jahr empfand ich als wirklich gelungen!

Etwas überraschend war für einige Teilnehmer sicherlich das hohe Niveau, auf dem bei der Meisterschaft mit Kaffee gearbeitet wird. Die bloße Kenntnis um die Zubereitung eines Espressos reicht nicht aus, um bei der deutschen Meisterschaft eine gute Punktzahl zu erreichen. Neben den hohen Ansprüchen an speziellem Kaffeewissen geht es auch darum, die Vielfalt von Kaffee zu zeigen. Potentielle Gewinner setzen sich daher mit den verwendeten Kaffees ausgiebig auseinander und rösten diese teilweise selbst oder arbeiten mit einer Rösterei zusammen. Das ein handelsüblicher Kaffee mit den teilweise verwendeten Raritäten der Teilnehmer der vorderen Platzierungen nicht mithalten kann, versteht sich von selbst. Diese Sorgfalt bei der Auswahl gilt ebenso für die für den Cappuccino verwendete Milch und alle im Signaturedrink verwendeten Zutaten. Qualitative und frische Zutaten sind ein nicht zu unterschätzender Faktor.

Jedem Teilnehmer der Meisterschaft lege ich ans Herz, sich eine Kopie der eigenen Bewertungsbögen zukommen zu lassen. Diese kann man auf Anfrage gegen eine kleine Gebühr erhalten. Eine Durchsicht der Bögen hilft zu verstehen, welche Dinge wie bewertet wurden. Auch sind die Bögen mit Kommentaren versehen, wenn einem Juror Dinge erwähnenswert erschienen. Wer die Bewertungsbögen im Vorfeld intensiv studiert hat weiß bereits, dass sensorische Aspekte (Farben, Aromen, Geschmack, Viskosität) grundsätzlich höher bewertet werden. Besonders bei den Signaturedrinks kann dies auffallen: guten Punktzahlen bei der Kreativität und Erläuterung stehen manchmal weniger Punkte in den sensorischen Eigenschaften gegenüber.

Und noch eine ganz große Bitte: nicht aufgeben, auch wenn das diesjährige Ergebnis nicht den eigenen Erwartungen entspricht! Die gewonnene Erfahrung und die Möglichkeit zum Wissensaustausch sind die wirklich wichtigen Dinge und diese kann jeder Teilnehmer mitnehmen. Wir sehen uns im kommenden Jahr…

Mit dem heutigen Tag ist die Deutsche Kaffeeolympiade zu Ende gegangen. Die Eindrücke der letzten Tage werde ich noch in einem Folgeposting festhalten, für alle Interessierten zunächst die Ergebnisse der einzelnen Wettbewerbe.

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Barista Championship 2009

Leider habe ich nicht die Gesamtplatzierung vorliegen, daher zunächst die Liste der Finalisten und deren Platzierung.

1. Platz: Nana Holthaus-Vehse (564,5 Punkte)

2. Platz: Matthias Lincke (543 Punkte)

3. Platz: Stefanie Heidemann (532,5 Punkte)

4. Platz: Tsvetelina Barzakova (486 Punkte)

5. Platz: Anne Herrmann (461 Punkte)

6. Platz: Thomas Schweiger (372,5)

 

Latte Art Contest 2009

1. Platz: Jörg Kranke (28 Punkte)

2. Platz: Eric Wolf (27,5 Punkte)

3. Platz: Funda Soysal (27 Punkte)

4. Platz: Astrid Maier (26 Punkte)

5. Platz: Fabio Marletta (26 Punkte)

6. Platz: Thekla Schenk (25 Punkte)

7. Platz: René Gärtner (25 Punkte)

8. Platz: Isabel Hellmann (24 Punkte)

9. Platz: Stefanie Heidemann (24 Punkte)

10. Platz: Ricardo Garcia (24 Punkte)

11. Platz: Alsela Dritan (22,5 Punkte)

12. Platz: Jessica Bischoff (22 Punkte)

13. Platz: Gül Muhammer (21 Punkte)

14. Platz: Anna Fath (21 Punkte)

15. Platz: Yaw Essah (19 Punkte)

Bei gleicher Punktzahl entscheidet die Wettbewerbszeit, wer schneller beendet führt.

 

Cup Tasting Contest 2009

1. Platz: Sebastian Benkhofer

2. Platz: Dam Srisuntorn

3. Platz: Alfons Schramer

4. Platz: Wolfram Sorg

5. Platz: Besir Yildirim

6. Platz: Todd Pavelka

7. Platz: Uwe Liebergall

8. Platz: Marc Roda

9. Platz: Christoph Brieden

10. Platz: Rüdiger Eggers

11. Platz: Graziano Chessa

12. Platz: Klaus Rechenauer

13. Platz: Eric Wolf

14. Platz: Philipp Boecker

15. Platz: Natalie Andrich

16. Platz: Lukas Kolbe

17. Platz: Christoph Schubert

18. Platz: Marcel Knitter

19. Platz: Mark Schnibbe

20. Platz: Suty Philippe

21. Platz: Klaus Langen

22. Platz: Amir Tassoudji

23. Platz: Irena Markovic

24. Platz: Heinz Wehner

 

Deutsche Röstmeisterschaft 2009

Hier gibt es eine Gruppe von Teilnehmern, die sich gesamt als Deutscher Röstmeister bezeichnen darf (es gibt keine weitere Einordnung in eine Platzierung).

  • Besir Yildirim
  • Thomas Brinkmann
  • Matthias Winkelmann
  • Steffi König
  • Christoph Schubert
  • Florian Steiner
  • Todd Pavelka
  • Tomas Fejer
  • Thomas Hansen

 

Allen Teilnehmern aller Wettbewerbe einen herzlichen Glückwunsch zu ihren jeweiligen Platzierungen.

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