Kaffee-Varietäten

Posted:  March 6th, 2010 by:  wolfram comments:  3

Kaffee-Varietäten


In Ermangelung erschöpfender Quellen, sowohl in Buchform als auch im Internet, die das Thema Kaffeevarietäten zentral umfangreich darstellen, habe ich begonnen, eine eigene Übersicht der bekanntesten Kaffeevarietäten aufzustellen. Welche Varietäten gibt es? Wir stehen diese in Verbindung? Welche Hybride gibt es? Zudem ist interessant zu wissen, welche Eigenschaften die jeweiligen Varietäten besitzen: Resistenz gegen Schädlinge, Ertragsmenge, aromatische Eigenschaften und Anbauregionen sind nur einige Aspekte, die hier zu nennen sind.

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Viele Fragen, lange Recherche. Dieses Posting ist ein erster Auszug der Ergebnisse und erhebt keinen Anspruch auf Vollständigkeit. Die dargestellten Inhalte sind nach bestem Gewissen wiedergegeben. Sollten Euch Fehler auffallen oder Ihr Raum für Ergänzungen sehen, freue mich mich über eine kurze Mail oder einen Kommentar.

Ursprung aller Varietäten ist die Pflanze Coffea, die sich zunächst untergliedert in die bekannten Arabicas und Canephora (Robusta), weniger bekannt sind Liberica und Excelsa und die Hybriden (Mischformen), die einer Kreuzung der anderer Varietäten entsprechen.

Das folgende Diagramm (ein Klick öffnet die Großansicht) zeigt einen “Stammbaum” dieser Varietäten. Der Fokus meiner Recherche liegt auf den Arabicas. Neben den Hybriden, die ausschließlich auf Arabicas basieren, sind hier besonders die Bourbon und Typica Varietäten interessant.

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Die Abgrenzung der einzelnen Varietäten zueinander ist nicht immer eindeutig. Die vorhandene Literatur geht hier unterschiedlich vor. Grundsätzlich kann man einer Pflanze den Platz als eigene Varietät einräumen, wenn sich diese genetisch ausreichend deutlich zu einer anderen Varietät unterscheidet. Bei den Varietäten, die sich in Äthiopien finden, ist dies der Fall. Diese Varietäten sind nach den Regionen bezeichnet, in denen sie überwiegend wachsen.

Die wichtigsten Varietäten sind:

  • Arabica – Die Coffea Arabica ist die am meist verbreitete Varietät, von ihr stammen die meisten kultivierten Varietäten ab. Ursprungsland der Coffea Arabica ist Äthiopien, wo diese Varietät heute noch wild wächst. Selektion und gezielte Zucht führte zu der heute bekannten Vielzahl an Unterarten. Arabicas haben üblicherweise ein breiteres Aromaspektrum. Der Anteil von Coffea Arabica am Welthandel liegt bei >60%.
  • Excelsa – Diese Varietät zeichnet sich besonders durch ihre Robustheit und die Fähigkeit, auf trockenen Böden zu gedeihen, aus. Im Welthandel haben Excelsa und Liberica (siehe folgend) keinen großen Stellenwert und machen lediglich 1% bis 2% aus.
  • Liberica – Coffea Liberica wurde in Indonesien eingeführt und wurde wegen seiner höheren Resistenz gegen den “Coffee Leaf Rust” Pilz populär.
  • Canephora – Die Coffea Canephora wird üblicherweise als Robusta bezeichnet. Charakteristisch für diese Varietäten ist der erhöhte Koffeingehalt, der vollere Körper aber auch die kaum vorhandenen Aromen. In der Spezialitätenbranche ist dieser Kaffee nicht zu finden, auch wenn immer wieder von besonderen Robustas zu hören ist, von denen ich selbst noch keinen gesehen oder geschmeckt habe. Die Coffea Conephora ist von Grund auf resistenter gegen Schädlinge und daher aus rein wirtschaftlichen Gesichtspunkten (Ertrag) interessant. Der Anteil von Robusta am Welthandel beträgt circa 30%.

Unterhalb der Arabica-Varietät sind die Unterarten Bourbon und Typica von besonderem Interesse, die die Basis für einen großen Teil der heute kommerziell genutzten Kaffees bilden. Typica und Bourbon wird nachgesagt, zu den ersten Varietäten der Coffea Arabica zu gehören. Bourbon wird in vielen Ländern der Typica Varietät vorgezogen, bedingt durch deren größeren Ertrag. Ertrag und die Resistenz gegen Schädlinge sind häufig die Auswahlkriterien bei der Plfanzung einer Varietät.

Neben den “reinen” Varietäten gibt es solche, die durch natürliche Mutation oder gezielte Züchtung entstanden sind. Das Ziel bei einer Züchtung ist die jeweils positiven Eigenschaften einer Varietät mit denen einer anderen zu verbinden. Das folgende Diagramm zeigt die wichtigsten Hybridformen, auch hier öffnet ein Klick die Großansicht.

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In einem weiteren Posting werde ich detaillierter auf die einzelnen Varietäten eingehen.

Alle Informationen, die in diesem Posting aufgeführt sind, sind den folgenden Quellen entnommen.

[1] A. Illy, R. Viani: Espresso Coffee, The Science of Quality, Second Edition: ELSEVIER Academic Press, 2005, London

[2] J. N. Wintgens: Coffee: Growing, Processing, Sustainable Production: WILEY-VCH Verlag GmbH & Co KGaA, 2004, Weinheim

[3] P. Jobin: The Coffees Produced Throughout The World: DUBOC, 1992, Le Havre

[4] Caffe.it: Coffee Variety: http://www.caffe.it/en/caffe.php

[5] coffeeresearch.org: Arabica Coffee Bean Varietals: http://www.coffeeresearch.org/agriculture/varietals.htm

3 Comments

Posted By: Blog On: May 04, 2010 At: 7:41 am

[…] als Osterkaffee verkauften. Man sagt, es sei die größe Bohne der Welt. Sehr übersichtlich hat Wolfredo die Verzweigungen der verschiedenen Kaffeevarietäten in einem Schaubild aufgezeichnet, schaut es […]

Posted By: Alle Arabica Kaffeepflanzen Varietäten On: October 01, 2010 At: 9:25 am

[…] wie viele Variationen es von der Kaffeekulturpflanze gibt. Es gibt noch einen Artikel von Wolfredo in dem er zwei wirklich tolle Grafiken über die Kaffee-Varietäten und Hybriden angefertigt […]

Posted By: Rodolphe W. Schelbert On: December 02, 2013 At: 10:36 am

Mit wllchen der zahlreichen ARABICA Sorten erzielt man ein besonders genussvolles Kaffegeränk ?
Ist die Anpflanzungs Höhe dafür mitentscheidend (z.B. 600 m ü M oder 1200 m ü M) ?

Gruss,

RWS

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