Gene Cafe, ein Aromatest

Posted:  December 21st, 2007 by:  wolfram comments:  4

Da eine Röstung nur das Mittel zum Zweck ist, möchte ich hier nun die Eindrücke der Verkostung der ersten Röstergebnisse des Gene Cafe vorstellen. Bei diesem Vergleich beziehe ich mich auf einen Single Origin Guatemala Arabica, dessen Charaktermerkmale und Entwicklungspotential ich sehr gut kenne.

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Ein Ergebnis vorweg, bei meinen ersten Röstungen habe ich es nicht geschafft, den Kaffee so auszubilden, wie ich mir das gewünscht habe. Das Ergebnis ist relativ uninteressant ausgefallen, allerdings konnte ich durch Anpassungen der Temperatur und der Röstzeit bereits Verbesserungen erreichen. Aus diesem Grund sollten die folgenden Anmerkungen unter Vorbehalt gesehen werden, da ich sicherlich nicht die optimale Einstellung für den Gene Cafe verwendet habe.

Der Kaffee wurde nach der Röstung für drei Tage luftdicht, dunkel und bei Zimmertemperatur ausgasen gelassen. Bereits nach der Röstung hatte sich gezeigt, dass der geröstete Kaffee etwas weniger aromaintensiv im Geruch ist, verglichen mit den von einem Trommelröster gewohnten Ergebnissen. Dies hat sich nach der Ruhephase von drei Tagen nochmals bestätigt.

Besonders ist mir bei der Mahlung die Trockenheit des Kaffees aufgefallen. Der Feuchtigkeitsgehalt ist wesentlich geringer als der einer vergleichbaren – sogar dunkleren – Röstung eines Trommelrösters. Der Einbrand bei einer Röstung mit einem Trommelröster liegt im Bereich zwischen 12% und 15% Gewichtsverlust vom Rohkaffee zum gerösteten Kaffee, abhängig vom gewählten Röstgrad. Beim Gene Cafe lag der Einbrand, bei allen meiner bisherigen Proberöstungen, bei circa 21% bis 25%, dies sind recht hohe Werte.

Da der Kaffee sehr viel trockener ist, musste der Mahlgrad entsprechend feiner eingestellt werden, für mein Empfinden zu fein, für einen frisch gerösteten Kaffee. Das Extraktionsverhalten verändert sich dementsprechend, für gute Ergebnisse musste ich etwas höher dosieren und fester tampen.

Nach zwei Testbezügen, um den optimalen Mahlgrad und die optimale Pulverdosis zu bestimmen, lief ein Espresso aus der Maschine, mit einer hellen aber sehr intensiven und fülligen Crema. Die helle Crema ist auf die hellere Röstung zurückzuführen, die Intensität hatte ich so nicht erwartet und war positiv überrascht.

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Geschmacklich konnte der Espresso nicht an das heranreichen, was ich erwartet hatte. Vergleichbare helle Röstungen eines Trommelrösters sind sehr viel aromaintensiver und haben weniger Säuren. Trotzdem nochmals der Hinweis, dass dies erste Ergebnisse sind und ich durchaus Potential zur Verbesserung sehe.

4 Comments

Posted By: toraja On: January 06, 2008 At: 7:57 pm

Dann sollte ich mir eher keinen Gene kaufen. Im Frühjahr wollte ich eigentlich zuschlagen, damit ich nicht ständig das Problem mit den Bestellungen habe.

Posted By: wolfram On: January 07, 2008 At: 3:21 pm

Hallo Toraja!

Ich bin leider noch nicht dazu gekommen, andere Röstprofile auszuprobieren, die Ergebinsse bei einer kürzeren Röstzeit könnten abweichen.

In jedem Fall solltest Du die Aussagen relativieren. Der Kaffee reicht nicht an eine frische Röstung einer Rösterei heran, ist jedoch um Welten besser als alles, was Du im Supermarkt und in vielen Espressogeschäften abgepackt kaufen kannst.

Posted By: toraja On: January 08, 2008 At: 8:16 pm

Ich kaufe meistens bei kleinen Röstereien ala hasbean oder caffe-fausto. Bisher fand ich die Qualität ganz gut. Ich dachte nur, dass so ein Heimröstgerät ähnlich gute Ergebnisse bringt. Wahrscheinlich leigt die mögliche Qualität irgendwo dazwischen. Wie ist es denn mit einem Hottop im Vergleich zum Gene?

Posted By: wolfram On: January 13, 2008 At: 7:52 pm

Hallo Toraja,
ich kenne die zahlreichen Heimröster nicht, daher kann ich Dir bei diesem Thema in der Tiefe nicht helfen. Der Hottop macht auf den ersten Blick einen guten Eindruck, alternativ der Behmor (ich habe dazu schon einmal etwas geschrieben). Vergleiche konnte ich mit diesen Geräten allerdings noch nicht durchführen.
Generell ist das Problem der Reproduzierbarkeit der Röstergebnisse gegeben. Im Idealfall findest Du eine Röstung, die Dir gefällt. Mit einer Popcornmaschine wirst Du so etwas beispielsweise nicht erreichen. Sobald Du mit Blends beginnst wird das Problem noch viel größer (da jeder einzelne Kaffee vom Soll abweichen kann).
Wenn Du eine kleine Rösterei an der Hand hast, die Dir frischen Kaffee verkauft (Röstdatum auf der Tüte, maximal eine Woche alt), dann ist das sicherlich der bessere und günstigere Weg zu guter Qualität.